Normen · Betriebsanleitung

DIN EN ISO 20607: Betriebsanleitungen für Maschinen

Die DIN EN ISO 20607 ist die Norm für die Gestaltung von Betriebsanleitungen im Maschinenbau. Sie legt fest, welche Inhalte eine Anleitung mindestens braucht, wie sie gegliedert wird und wie die Informationen aus der Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 einfließen. Diese Seite erklärt, was die Norm fordert, wie sie sich zur IEC/IEEE 82079-1 verhält und wie Sie eine normkonforme Betriebsanleitung aufbauen.

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Was regelt die DIN EN ISO 20607?

Die DIN EN ISO 20607 ("Sicherheit von Maschinen: Betriebsanleitung, allgemeine Gestaltungsgrundsätze") legt die Mindestanforderungen an Inhalt, Struktur und Darstellung der Betriebsanleitung von Maschinen fest. Sie gehört zur Normenreihe für die Sicherheit von Maschinen, baut auf der Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 auf und ergänzt die allgemeine Anleitungsnorm IEC/IEEE 82079-1 um maschinenspezifische Punkte. Als harmonisierte Norm löst ihre Anwendung die Konformitätsvermutung für die zugehörigen Anforderungen der Maschinenrichtlinie beziehungsweise der Maschinenverordnung aus.

Rechtsgrundlage: Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (bis 19.01.2027), Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 (ab 20.01.2027); Norm: DIN EN ISO 20607.
Einordnung

Wo die DIN EN ISO 20607 im Normengefüge steht

Die Norm steht nicht allein. Sie verbindet die gesetzlichen Pflichten, die Risikobeurteilung und die allgemeine Anleitungsnorm zu einem klaren Rahmen für die Betriebsanleitung.

Harmonisierte Norm mit Konformitätsvermutung

Die DIN EN ISO 20607 ist unter der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG als harmonisierte Norm gelistet. Wer sie anwendet, darf davon ausgehen, dass die zugehörigen Anforderungen an die Betriebsanleitung als erfüllt gelten. Diese Konformitätsvermutung reicht so weit, wie die Norm die jeweilige gesetzliche Anforderung abdeckt. Die grundlegenden Anforderungen der Maschinenrichtlinie (Anhang I) und ab dem 20. Januar 2027 der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 (Anhang III) bleiben der verbindliche Maßstab, die Norm ist der anerkannte Weg dorthin.

Verhältnis zur EN ISO 12100

Die EN ISO 12100 ist die Grundnorm für Risikobeurteilung und Risikominderung. Ihr dreistufiges Verfahren endet in der dritten Stufe mit der Benutzerinformation, also der Betriebsanleitung. Genau hier setzt die DIN EN ISO 20607 an: Sie beschreibt, wie die in der Risikobeurteilung ermittelten Restrisiken, Warnhinweise und Sicherheitsinformationen in die Anleitung übernommen werden. Die Betriebsanleitung ist damit kein isoliertes Dokument, sondern das Ergebnis der Risikobeurteilung.

Verhältnis zur IEC/IEEE 82079-1

Die IEC/IEEE 82079-1 ist die allgemeine, produktübergreifende Norm für die Gestaltung von Nutzungsinformationen und Anleitungen. Die DIN EN ISO 20607 verweist auf diese allgemeinen Grundsätze und ergänzt sie um die besonderen Anforderungen des Maschinenbaus. Die 82079-1 liefert also die generelle Methodik für gute Anleitungen, die ISO 20607 die maschinenspezifische Konkretisierung. Beide Normen ersetzen einander nicht, sie greifen ineinander.

Anforderungen

Was die DIN EN ISO 20607 konkret fordert

Die Norm gibt Anforderungen an Inhalt, Aufbau und Verständlichkeit vor. Diese Übersicht fasst die zentralen Themenfelder zusammen.

Themenfeld Was die Norm verlangt
Mindestinhalte Alle für den sicheren Umgang nötigen Informationen über den gesamten Lebenszyklus, von Transport und Montage bis Entsorgung.
Struktur und Gliederung Logische, nachvollziehbare Kapitelfolge entlang der Lebensphasen der Maschine, mit auffindbaren Sicherheitsinformationen.
Zielgruppen Ausrichtung der Informationen auf die jeweilige Zielgruppe, etwa Bediener, Instandhalter oder Montagepersonal, mit passender Qualifikationsannahme.
Informationsermittlung Ableitung der Inhalte aus der Risikobeurteilung nach EN ISO 12100, insbesondere der Restrisiken und der erforderlichen Schutzmaßnahmen.
Warnhinweise Einheitliche, klar erkennbare Warnhinweise mit Signalwort, Art und Quelle der Gefahr, Folgen und Vermeidung.
Sicherheitsinformationen Deutliche Angaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung, zur vernünftigerweise vorhersehbaren Fehlanwendung und zu Restrisiken.
Verständlichkeit und Sprache Klare, eindeutige Formulierung in der Sprache des Verwenderlandes, angepasst an das Verständnis der Zielgruppe.
Darstellung Angemessene Nutzung von Text, Abbildungen, Tabellen und Symbolen; Lesbarkeit und Beständigkeit der gewählten Form.

Der rote Faden der Norm: Eine Betriebsanleitung ist erst dann gut, wenn die richtige Zielgruppe die richtige Information zur richtigen Lebensphase der Maschine schnell findet und ohne Missverständnis anwenden kann. Deshalb steht die Ableitung der Inhalte aus der Risikobeurteilung im Zentrum, nicht das Abarbeiten einer starren Vorlage.

Checkliste

Pflichtkapitel einer Betriebsanleitung nach ISO 20607

Diese Kapitel bilden das Gerüst einer normkonformen Betriebsanleitung. Die konkrete Ausgestaltung richtet sich nach Maschine und Risikobeurteilung.

  • Allgemeine Angaben: Hersteller, Maschinenidentifikation, Zweck und Gebrauch der Anleitung
  • Sicherheitsinformationen: bestimmungsgemäße Verwendung, vorhersehbare Fehlanwendung, Restrisiken
  • Beschreibung der Maschine, ihrer Funktionen und Betriebsarten
  • Technische Daten und Angaben zu Emissionen (z. B. Lärm, Vibration)
  • Transport, Handhabung und Lagerung
  • Montage, Aufstellung und Anschluss
  • Inbetriebnahme und Einrichten
  • Bedienung im Normalbetrieb
  • Störungssuche und Störungsbeseitigung
  • Instandhaltung, Wartung und Reinigung
  • Außerbetriebnahme, Demontage und Entsorgung
  • Warnhinweise, Sicherheitszeichen und Piktogramme
Abgrenzung

Was die Norm regelt und was nicht

Die DIN EN ISO 20607 hat einen klaren Anwendungsbereich. Wer ihn kennt, vermeidet falsche Erwartungen.

Regelt: Gestaltung der Betriebsanleitung

Die Norm gibt Inhalt, Struktur, Warnhinweise und Verständlichkeit der Anleitung vor. Sie ist der methodische Rahmen für das Dokument Betriebsanleitung.

Regelt: Ableitung aus der Risikobeurteilung

Sie beschreibt, wie Restrisiken und Sicherheitsinformationen aus der EN ISO 12100 in die Anleitung übernommen werden. Die Anleitung ist Teil der Risikominderung.

Regelt nicht: die Risikobeurteilung selbst

Das Ermitteln und Bewerten der Gefährdungen ist Sache der EN ISO 12100. Die ISO 20607 setzt eine vorhandene Risikobeurteilung voraus.

Regelt nicht: technische Sicherheitsanforderungen

Grenzwerte und konstruktive Schutzmaßnahmen stehen in produktspezifischen Normen (z. B. Typ-C-Normen) und in den Rechtsakten, nicht in der Anleitungsnorm.

Regelt nicht: die komplette Anleitungsmethodik

Allgemeine Grundsätze guter Anleitungen liefert die IEC/IEEE 82079-1. Die ISO 20607 verweist darauf und ergänzt sie nur für den Maschinenbau.

Regelt nicht: rechtliche Aufbewahrung und Erklärung

Pflichten wie Aufbewahrungsfrist, technische Unterlagen und Konformitätserklärung ergeben sich aus der Maschinenrichtlinie beziehungsweise der Maschinenverordnung.

Praxis

In 4 Schritten zur normkonformen Betriebsanleitung

So entsteht eine Anleitung, die die DIN EN ISO 20607 nicht nur formal erfüllt, sondern die Maschine sicher benutzbar macht.

Risikobeurteilung auswerten

Restrisiken, Warnhinweise und erforderliche Benutzerinformationen aus der Risikobeurteilung nach EN ISO 12100 als Eingangsdaten der Anleitung erfassen.

Zielgruppen und Struktur festlegen

Bediener, Instandhalter und weitere Zielgruppen bestimmen und die Kapitel entlang der Lebensphasen der Maschine gliedern.

Inhalte erstellen

Pflichtkapitel ausformulieren, Warnhinweise einheitlich aufbauen, verständlich in der Sprache des Verwenderlandes, mit passenden Abbildungen und Symbolen.

Prüfen und freigeben

Vollständigkeit gegen Risikobeurteilung und Normanforderungen prüfen, Verständlichkeit testen und die Anleitung mit der übrigen technischen Dokumentation zusammenführen.

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FAQ

Häufige Fragen zur DIN EN ISO 20607

Ist die DIN EN ISO 20607 verpflichtend?
Die Anwendung der Norm ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, ihre Nutzung ist grundsätzlich freiwillig. Verpflichtend sind die Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG beziehungsweise ab dem 20. Januar 2027 der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Weil die DIN EN ISO 20607 als harmonisierte Norm gelistet ist, löst ihre Anwendung jedoch die Konformitätsvermutung aus. Sie ist damit der anerkannte und in der Praxis übliche Weg, die gesetzlichen Pflichten zur Betriebsanleitung nachweisbar zu erfüllen.
Ersetzt die ISO 20607 die IEC/IEEE 82079-1?
Nein. Die IEC/IEEE 82079-1 ist die allgemeine, produktübergreifende Norm für Nutzungsinformationen und Anleitungen. Die DIN EN ISO 20607 verweist auf deren allgemeine Grundsätze und ergänzt sie um die besonderen Anforderungen des Maschinenbaus. Beide Normen greifen ineinander: Die 82079-1 liefert die generelle Methodik, die ISO 20607 die maschinenspezifische Konkretisierung. Eine gute Betriebsanleitung berücksichtigt in der Regel beide.
Gilt die Norm auch für digitale Betriebsanleitungen?
Die Gestaltungsgrundsätze der DIN EN ISO 20607 zu Inhalt, Struktur, Warnhinweisen und Verständlichkeit gelten unabhängig vom Medium, also auch für digitale Anleitungen. Ob die Anleitung digital bereitgestellt werden darf und welche Bedingungen dafür gelten, regelt hingegen die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230. Sie verlangt unter anderem dauerhafte Verfügbarkeit über 10 Jahre, Downloadbarkeit und auf Verlangen eine Papierfassung der Sicherheitsinformationen.
Was ist der Unterschied zwischen EN ISO 12100 und DIN EN ISO 20607?
Die EN ISO 12100 ist die Grundnorm für Risikobeurteilung und Risikominderung. Sie ermittelt die Gefährdungen und legt Schutzmaßnahmen fest, einschließlich der nötigen Benutzerinformation. Die DIN EN ISO 20607 beschreibt, wie diese Benutzerinformation in die Betriebsanleitung überführt wird. Die 12100 liefert also die Eingangsdaten, die 20607 gestaltet daraus die Anleitung. Beide Normen bauen aufeinander auf.
Welche Kapitel muss eine Betriebsanleitung nach ISO 20607 enthalten?
Zu den Pflichtkapiteln gehören allgemeine Angaben zu Hersteller und Maschine, Sicherheitsinformationen mit bestimmungsgemäßer Verwendung und Restrisiken, die Maschinenbeschreibung, technische Daten, Transport und Lagerung, Montage und Aufstellung, Inbetriebnahme, Bedienung, Störungsbeseitigung, Instandhaltung sowie Außerbetriebnahme und Entsorgung. Hinzu kommen einheitliche Warnhinweise und Sicherheitszeichen. Der konkrete Umfang richtet sich nach Maschine und Risikobeurteilung.
Löst die Anwendung der Norm eine Konformitätsvermutung aus?
Ja. Die DIN EN ISO 20607 ist unter der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG als harmonisierte Norm gelistet. Wer sie anwendet, darf vermuten, dass die zugehörigen Anforderungen an die Betriebsanleitung erfüllt sind. Diese Vermutung reicht so weit, wie die Norm die jeweilige Anforderung abdeckt. Für die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 werden die harmonisierten Normen fortgeführt und angepasst, sodass die Anwendung auch dort der etablierte Nachweisweg bleibt.
Gilt die DIN EN ISO 20607 auch nach der Maschinenverordnung ab 2027?
Ja. Die Maschinenverordnung (EU) 2023/1230 löst zwar die Maschinenrichtlinie am 20. Januar 2027 ohne Übergangsfrist ab, die Anforderungen an eine gute Betriebsanleitung bleiben inhaltlich bestehen und werden teils verschärft. Die DIN EN ISO 20607 ist der anerkannte Weg, die Anforderungen an die Anleitung zu erfüllen. Für die Konformitätsvermutung ist entscheidend, dass die Norm für die Maschinenverordnung harmonisiert gelistet wird, was für die Anleitungsnormen vorgesehen ist.
Reicht eine Betriebsanleitung aus einem alten Projekt aus?
In der Regel nicht. Die DIN EN ISO 20607 verlangt, dass die Inhalte aus der Risikobeurteilung der konkreten Maschine abgeleitet werden. Eine kopierte Anleitung enthält oft falsche Warnhinweise, andere Restrisiken oder abweichende Betriebsarten. Vorlagen und Textbausteine sind sinnvoll, müssen aber gegen die aktuelle Risikobeurteilung geprüft und angepasst werden, damit die Anleitung zur Maschine passt.
In welcher Sprache muss die Betriebsanleitung vorliegen?
Die DIN EN ISO 20607 fordert eine klare, verständliche Formulierung, die zum Verständnis der Zielgruppe passt. Die verbindliche Sprachpflicht ergibt sich aus dem Rechtsakt: Die Betriebsanleitung muss in der oder den Amtssprachen des Mitgliedstaats vorliegen, in dem die Maschine in Verkehr gebracht oder in Betrieb genommen wird. In Deutschland ist das Deutsch. Übersetzungen müssen als solche gekennzeichnet sein.
Dienstleistung

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